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Vor kurzem habe ich einige ATmega328P-PU (DIP-Gehäuse) Chips in China gekauft und war besorgt, dass es sich um Fälschungen handeln könnte. Immerhin waren vor drei Jahren einige ATmega328P-Klone auf Pro Mini-Boards aufgetaucht, die keine Nano-Power unterstützten. Ein erster Test schien auf eine Fälschung hinzudeuten, aber anscheinend sind es doch die Originale. aber die Chips verhielten sich ansonsten unauffällig.

Da mein Vorrat an ATmega328P DIP-Chips aufgebraucht war, beschloss ich, ein paar neue zu kaufen. Als ich mich im Web umschaute, stellte ich fest, dass die Preise um das Dreifache gestiegen sind. Warum also nicht bei AliExpress bestellen, wo man sie zum Vor-Covid-Preis bekommen konnte?

Nachdem ich die Bestellung aufgegeben hatte, bekam ich Zweifel und suchte im Internet nach Berichten über gefälschte ATmega328-Chips. Und tatsächlich hatte Kevin Darrah einige sehr merkwürdige, gefälschte Chips auf Pro Mini-Boards gefunden. Diese verhalten sich so, als wären sie die echten Chips, aber im Deep-Sleep-Modus ist der Stromverbrauch um den Faktor 1000 zu hoch: Sie verbrauchen etwa 100 µA statt 100 nA. Darüber hinaus funktionierte die HV-Programmierung nicht. Als er den Chip zerlegen ließ und den Die analysierte, stellte sich heraus, dass der Chip nicht von Atmel hergestellt worden war. Als schnellen Test schlug Kevin vor, den ROM-Bereich hinter der Chipsignatur zu untersuchen und stellte ein Arduino-Programm zum Testen dieses Bereichs zur Verfügung. Es wurde berichtet, dass die gefälschten Chips in der Regel zu einer Ausgabe wie die untenstehende führen, bei der viele FFs vorkommen:

boot sig dump
1E      B8      95      FF      F       FF      FF      26
FF      FF      FF      FF      FF      FF      5D      FF
FF      FF      FF      0       FF      FF      FF      FF
FF      FF      FF      FF      FF      FF      FF      FF

Wenn man das Programm auf echten ATmegas ausführt, gibt es nur sehr wenige FFs in diesem Bereich. Als ich also die Chips erhielt, habe ich als Erstes diesen Sketch auf ihnen ausgeführt. Und ich erhielt sehr ähnliche Ergebnisse wie das oben gezeigte:

boot sig dump
1E      D4      95      FF      F       FF      FF      26
FF      FF      FF      FF      FF      FF      58      FF
DF      FF      DF      FF      FF      FF      FF      FF
FF      FF      FF      FF      FF      FF      FF      FF

Das Testen der Chips im Deep-Sleep-Modus, mit HV-Programmierung und mit debugWire funktionierte aber tadellos. Ich denke also, dass ein Blick in den ROM-Bereich nicht ausreicht, um zu entscheiden, ob es sich um einen gefälschten Chip handelt oder nicht. Auf jeden Fall bin ich erleichtert, dass die Chips, die ich gekauft habe, höchstwahrscheinlich echt sind und dass ich sie in Low-Power-Projekten einsetzen kann. Wie Ted in seinem Kommentar zur englischen Version des Blogartikels anmerkte, handelt es sich nichtsdestotrotz wohl nicht um Original-Microchip MCUs. Das ergibt sich u.a. aus der Microchip-Dokumentation zum Datenbereich hinter den Signatur-Bytes, wonach man zumindest in den letzten 3 Bytes der dritten Zeile Werte verschieden von 0xFF erwarten würde (Wafer-Nummer, Y- und X-Koordinate auf dem Wafer). D.h. man kann u.U. doch noch unangenehme Überraschungen bei diesen Chips erleben, wie z.B. reduzierte Flash-Endurance.

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